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10.
Peraine

Ein Zug in Peraine-Grün

Mit den Erfolgen, die ich und meine Kollegen erzielen konnten überaus zufrieden, stand noch eine Sache aus. Auch wenn die Schuld Woltans ihm ins Gesicht geschrieben stand, so dass sie selbst ein Blinder hätte sehen können, mussten wir trotzdem noch die hohen Herren der Adelsversammlung überzeugen. So lief es doch immer, man machte sich Mühe durch den Schmutz zu waten und endlich einen Dreckskerl einzubuchten und dann sollte er gleich wieder laufen gelassen werden. Ha, die wahren Verbrecher saßen eh in den hohen Positionen und duzten sich mit Königen und dergleichen.
Aber ich wollte mein Bestes tun, auch wenn ich die Lage fast für aussichtslos hielt.

Mein nächster Anhaltspunkt war Ishtan von Quelldunkel, besser bekannt unter seinem Spitznamen &Väterchen Bartlos&, den ihm natürlich niemand ins Gesicht sagte.
Ich machte mich in Begleitung meiner treuen Assisstenten auf den Weg in die Kneipe Ogerfaust um einen alten Informanten zu treffen, den schmierigen Dunjak, der selbst sicher mehr Leichen im Keller hat als ein Bestatter. Aber auch wenn man sich nach einem Treffen mit ihm am liebsten samt Klamotten in die Badewanne legen möchte, so ist er doch sehr hilfreich.
So kann er mir auch dieses Mal weiterhelfen und nennt mir die letzte bekannte Adresse des Herren von Quelldunkel. Nachdem ich zum Dank einige Bier mit ihm getrunken habe, mache ich mich sofort leicht schwankend auf den Weg.

Dort angekommen scheint der Vogel aber ausgeflogen zu sein. Wir finden eine reizende Haushälterin, deren Wortschwall mich, einem reißenden Fluss nicht unähnlich, mitreißt. Mein Assistent Kolja hat den zugegebenermaßen nicht üblen Einfall, sich drinnen umzusehen, um die Quasselstrippe loszuwerden, doch sie folgt uns. Als Bestrafung übergebe ich ihn in ihre begleitend gestikulierenden Hände und sehe mich ein wenig in den Räumlichkeiten um.
Es ist sehr gut aufgeräumt, was natürlich sofort meine Aufmerksamkeit erregt. In meiner langen Laufbahn in der Verbrecherjagd habe ich gemerkt, dass die mit den reinsten Westen oft die schwarzesten Seelen haben. Aus diesem Grund herrscht auf meinem Schreibtisch auch immer so eine Unordnung, außer der einen oder anderen Steuerhinterziehung und einem kleinen Alkoholproblem habe ich nichts zu verbergen.

Nach der fruchtlosen Untersuchung, die immerhin ergeben hat, dass Quelldunkel mit einem Schild nach Osten abgereist ist, begeben wir uns zurück zur Burg. Dort geht es jetzt darum, erst einmal so viel wie möglich aus dem Gefangenen herauszuklopfen.
Diese schweißtreibende Arbeit überlasse ich meinem neuen Assistenten Thorald, denn ich möchte sehen, wie er sich so schlägt. Beziehungsweise den Gefangenen. Alternative Verhörmethoden sind meiner Meinung nach die einzigen Verhörmethoden.
Ich beobachte den Vorgang aus einem Nebenzimmer, muss aber eingenickt sein. Als ich wieder erwache, ist der Gefangene bereits wieder in der Zelle.
Laut meinem Assistenten Thorald habe er gesungen wie ein Vogel. Ich beglückwünsche ihn zum Bestehen dieses Tests und betone, wie sehr mir seine Arbeitsweise gefallen hat, wenn er auch nächstes Mal etwas härter zuschlagen könnte.
Er schaut mich komisch an, hat wahrscheinlich nicht alles verstanden. Soll bei denen ja häufiger vorkommen. Versteht mich nicht falsch, ich mag Zwerge. Einige meiner besten Freunde sind Zwerge, das Salz dieser Erde, sage ich immer. Aber manchmal haben sie schon sehr dicke Schädel.

Wie auch immer, der Zwerg mit Namen Bertosch meinte, dass Herr Woltan von Ilmenstein sich angeblich mit dem Herrn Ishtan von Quelldunkel getroffen habe. Mein Assistent Kolja wirft ein, dass das mysteriös sei, würden sich deren Familien doch nicht sehr gut verstehen. Ich stimme ihm zu und danke ihm, dass er meine beiden anderen Assistenten darauf hingewiesen hatte, bevor ich vorschlage, den Ilmengardisten und Soldmeister Glim Mooshold aufzusuchen und auszuquetschen.

Schon bald erreichen ich und meine Assistenten das Haus derer von Ilmenstein, vor dem noch einige Männer der Adelsmarschallin Wache schieben. Mooshold ist schnell gefunden und wir nehmen ihn uns in der Küche bei einem guten Tropfen vor.
Der Alkohol scheint seine Zunge zu lockern, denn er erzählt freimütig alles was er weiß. Er bestätigt, dass Ilmenstein und Quelldunkel gemeinsame Sache gemacht haben und der Korsmalbund involviert war.
Leider ist die Flasche schnell geleert, aber ich nutze die Gelegenheit die sich mir bietet und sehe mich im Arbeitszimmer des Herrn von Ilmenstein nach einem guten Tropfen um. Zufälligerweise streift mein Blick über seinen Schreibtisch und ich erspähe ein seltsames Schriftstück, das ich vorsichtshalber mitnehme.

Alsbald machen wir uns dann auf den Weg um die Adelsmarschallin von unseren Fortschritten zu unterrichten. Mein Assistent Kolja hat dank des gefundenen Schriftstückes festgestellt, dass der Korsmalbund zwischen 300-400 Streiter versammelt, sowie auch einige Drachenreiter. Aber viel schockierter bin ich, als er erwähnt, dass er sehr gerne einen Praiosgeweihten als Begleiter hätte! Die Welt ist absolut aus den Fugen geraten..

Angesichts der Übermacht, die bereits Zeit zur Vorbereitung hatte, sieht sich die Adelsmarschallin zum Handeln gezwungen. Sie verkündet, dass sie eine Art &Grünen Zug& ausrufen wird, mit dem sie gegen die Verräter ziehen möchte. Sie bittet uns auch, einige Verbündete an Land zu ziehen, eine Aufgabe, für die sie niemand Besseren hätte auswählen können.

Erstellt von Benjamin
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