1039
18.
Efferd

Die Goblins, der Dämon und wie doch noch alles eskalierte

Nach unserer Rückkehr von der Familie Prischka saß ich mit Innuendo, Bolgar, Boromeo und Avessandra in unserem Zelt vor der Kaleschka zusammen, die dicken Wollsocken gegen die Kälte über die Hosenbeine gezogen. Es war um die Firunsstunde, kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Neben uns am Boden lag die Säge mit einem Dämon darin, den wir baldmöglichst unschädlich machen mussten.

Olko war nicht zugegen, doch er hatte darauf bestanden, dass die Rettung des Goblinpärchens Vorrang hatte. Hinter einem der Zelte waren sie angekettet, bekamen nichts zu essen und mussten zur Belustigung der Soldaten dem Hund täglich sein Futter abjagen. Natürlich hatte Olko Recht – wie aber sollten wir sie befreien, ohne dabei selbst in Verdacht zu geraten? Magieanwendung würde nur allzu deutliche Spuren hinterlassen. Was für eine vertrackte Situation!

Nein, wir mussten offiziell handeln, sonst würden wir unseren ganzen Auftrag gefährden. Avessandra, die hochangesehene Geweihte und die Diplomatin unter uns, und der schroffe Boromeo, der mit seinen Katzenaugen und den unheimlichen Intarsien auf den Gewändern durchaus überzeugend wirken konnte, löffelten also ihren Hafergrützenpudding aus und brachen auf, um dem Prinzen Jaruslaw von Kirschhausen-Krabbwitzkoje unser Anliegen vozutragen. Sie erhofften sich, dass er zu einer angemessenen Entschädigung in Form von Münzen nicht Nein sagen würde.

Ich war skeptisch. Dieser gierige Menschenschlag von Soldaten und Machthabern kennt weder Gnade noch Güte. Andererseits bewunderte ich die Überzeugungskraft von Avessandra und Boromeo. Eine Geweihte und ein schwarzer Magier – wer konnte wissen, was sie zu Wege bringen würden?!

 

*

 

Prinz Jaruslaw von Kirschhausen-Krabbwitzkoje empfängt Avessandra mit sichtlicher Freude und anzüglichen Blicken, und auch Boromeo gewährt er Eintritt in sein Zelt. Nach einem raschen Wortwechsel bezüglich der Verhandlungen über die Trommel kommt Avessandra zum eigentlichen Thema. Sie beschwert sich, Olko Knaak läge der Gruppe ständig mit der Notlage der Goblins in den Ohren und deutet an, der Zauberer könne sehr lästig werden, wenn er nicht bekomme, was er wolle. Der Prinz spuckt verächtlich aus über diese „Tiere“, die immer wieder Ärger verursachen, und am liebsten würde er die Goblins und Olko allesamt einen einen Kopf kürzer machen, dann wäre die Sache erledigt. Boromeo und Avessandra können ihm das aber ausreden, indem sie ihn daran erinnern, dass ein gutes Verhältnis zur Akademie der Magier in Festum stets von Nutzen ist.

Das sieht Jaruslaw ein. Verkauft werden können die Goblins aber trotzdem nicht, weil das Sklaverei wäre, und eine so nachlässige Vorgehensweise dem Leumund des Prinzen beträchtlichen Schaden zufügen könnte. Also einigt man sich darauf, dass Bruutsch und Jääni gegen Erstattung der Zeche, die sie angeblich geprellt haben, und eine beträchtliche Entschädigungszahlung in die Obhut von Olko gegeben werden, der strengstens auf sie Acht zu geben hat.

Jaruslaw verlangt für die Übergabe der Goblins den stolzen Preis von 30 Dukaten, den Avessandra freigebig aus eigener Tasche bezahlt. Sie verabschiedet sich von dem anzüglich werdenden Prinzen.

Avessandra und Boromeo finden die Goblins in verwahrlostem und misstrauischem Zustand vor. Die Geweihte nimmt sich ihrer an und versucht, ihr Vertrauen zu gewinnen, während Boromeo den Schmied beim Würfeln auffindet und ihn auffordert, die Fesseln der Goblins zu entfernen. Mit dem Argument, der Prinz würde ihm die Eier abreißen lassen, falls er seinem Befehl nicht Folge leiste, erreicht er rasch die Mitarbeit des Mannes.

Während der Befreiung, die offiziell keine ist, scheint einer der Goblins den Schmied angreifen zu wollen, doch unbemerkt können Avessandra und Boromeo den Eklat verhindern. Sie führen die Goblins zur Kaleschka.

 

*

 

Olkos freudig gestammelte Begrüßungsworte verrieten uns bald, dass die Freikaufaktion geglückt war, und lockten uns aus dem Zelt. 30 Dukaten hatte Avessandra an Jaruslav bezahlen müssen! Hatte ich jemals so viel besessen? Auch Olko wurde bleich wie der Schnee aufgrund des Betrages, doch Avessandra winkte nur ab mit den Worten, es mache ihr nichts aus. Erstaunlich!

Die Goblins sollten in Olkos Zelt untergebracht, Tag und Nacht gut bewacht werden und dann mit uns zurück nach Festum reisen. Diese Sache war aus der Welt geschafft … so dachte ich jedenfalls. Aber man freut sich ja oft zu früh.

Unser Gespräch kam auf den magischen Goblinfetisch. Ein dubioser Händler, der sich ebenfalls im Lager aufhielt, bot ihn zum Verkauf an. 30 Dukaten waren für den Fetisch geboten worden, und zwar von Rudjew von Araken, einem stattlichen Kämpfer, der Innuendo bereits in der Stadt Harden durch seine Hetzreden unangenehm aufgefallen war.

Das Goblinmädchen Jääni, Lehrling bei der Schamanin Mantka Riiba, verriet Avessandra einsilbig, dass die Macht des Dinges schon den Richtigen treffen würde, dass ein Unbefugter aber keinesfalls böse Spielchen damit treiben könne. Wir schlossen daraus, dass Rudjew den Fetisch für andere Zwecke nutzen wollte, vielleicht für eine seiner Hetzaktionen. Was Leuten wie ihm durch den Kopf geht, möchte ich manchmal gar nicht wissen. Schon der Gedanke daran bereitet mir eine Gänsehaut.

Innuendo schlug mit listigem Grinsen vor, dem Hetzer sein Geld zu stehlen und den Fetisch damit selbst zu kaufen – natürlich, das wäre für ihn auch einträglicher als den Fetisch direkt zu entwenden. Vor allem aber würde der Verdacht nicht gleich auf uns fallen, denn für Dukaten interessiert sich schließlich jeder.

Ich war diejenige, die die Drecksarbeit übernehmen und dem widerwärtigen Rudjew schöne Augen machen sollte, während Innuendo in sei Zelt eindrang.

Doch vorher stand noch eine andere Aufgabe an. Der Dämon musste aus der Säge getrieben und zurück in die Siebte Sphäre geschickt werden. Wir beschlossen, die Rondrageweihte Leudara von Firunen um Hilfe zu bitten, wenngleich der Dämon vermutlich schwacher Natur war. Jeglicher Ärger oder Heimlichkeiten konnten nun mal unsere Mission gefährden.

Olko würde während des Kampfes die Goblins bewachen. Interessiert sah ich zu, wie er Bolgars und Innuendos Waffen verzauberte, sodass sie den Dämon würden verletzen können.

Indess hatte Avessandra mit Leudara gesprochen und sie zu uns gebracht. Als die Rondrageweihte die Goblins bei Olko erblickte, wurde sie misstrauisch, doch schnell war geklärt, dass alles seine Richtigkeit hatte. Gerade, als die Situation sich wieder beruhigt hatte, plauderte Innuendo aus, dass 30 Dukaten den Besitzer gewechselt haben, und Leudara sprach von einem Skandal und stapfte wütend aus dem Zelt. Ganz verstand ich die Aufregung nicht – hatte sie geglaubt, Jaruslaw von Kirschhausen-Krabbwitzkoje sei neuerdings zu einem Mildtäter geworden?

Leudara kehrte kurz darauf zurück, und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu einem Schneefeld außerhalb des Lagers, wo die Sicht auch nachts noch gut war. Von einer Beteiligung am Kampf sah ich ab, denn die Rondrageweihte war dabei – diese seltsame Person brauchte nicht zu wissen, dass ich eine Tochter Saturaias war. Nur ein einziger Baum stand auf dem Schneefeld. Was war das, ein Gesicht auf seiner Rinde?

Da begann es auch schon. Avessandra zog einen Bannkreis und zwang den Dämon aus der Säge. Ein schwarzviolettes, humanoides Wesen erschien, kaum größer als ein Zwerg. Gegen den hellen Schnee war deutlich seine spindeldürre Gestalt zu erkennen, bläuliche Flammen bildeten die Augen, Gesicht oder Behaarung fehlten. Einem solchen Schattenwesen war ich noch nie begegnet!

Der Kampf begann. Lange hielt der Dämon den Angriffen nicht stand. Bald führte Innuendo den finalen Schlag, und das Wesen löste sich in schwarzen Rauch auf. Niemand war verletzt worden, abgesehen von Leudara, die einen kleinen Kratzer davongetragen hatte, den sie kaum zur Kenntnis nahm.

Mit der nun nutzlosen Säge – ihr fehlte eine Kurbel, um zu sägen, so viel hatte ich verstanden – kehrten wir zur Kaleschka zurück. Ein weiteres Problem war gelöst, und das stimmte mich froh. Hätte ich gewusst, wie viele wir heute Nacht noch bekommen würden, dann hätte ich niemals auf Innuendo gehört. Aber nachher ist man immer schlauer.

Zunächst überlegten wir weiter in der Angelegenheit des Goblinfetischs, oder genauer gesagt: Innuendo überlegte, wie er Rudjew von Arauken um sein Geld erleichtern konnte. Der Hetzer hatte sich inzwischen wohl in sein Zelt zurückgezogen, und Innuendo schlug tatsächlich vor, ich solle ihm dort auf unsittliche Weise zur Gesellschaft sein, während er „die Hauptarbeit“ leisten wolle. Nur 20 Prozent der Beute bot er mir dafür an! Ich antwortete, dass ich mich allenfalls für 30 Dukaten mit diesem Widerling einlassen würde, und wenn er noch so gut aussah. Charakterlich abstoßende Männer waren mir schon immer ein Gräuel. Abgesehen davon war diese Aktion über alle Maßen riskant, denn zu viel stand auf dem Spiel, würden wir erwischt werden. Mit einem schlichten Gefängnisaufenthalt konnten wir nicht rechnen. Nicht hier draußen unter diesen herzlosen Soldaten.

Doch Innuendos Augen glänzten beim Gedanken an die reichte Beute. Er fragte Avessandra, ob sie die mir zugedachte Rolle einnehmen wolle. Natürlich dachte sie nicht daran, auf seinen unerhörten Vorschlag einzugehen, und auch Bolgar weigerte sich, ein wie auch immer geartetes Ablenkungsmanöver in die Wege zu leiten. Ich bot an, Innuendo ein Kleid zu leihen, damit er die Aufgabe des nächtlichen Verführers selbst übernehmen könne eigentlich besitze ich gar kein Kleid, aber allein seinen Gesichtsausdruck war es wert.

Der Plan wurde also verworfen, und stattdessen einigten wir uns darauf, den Mann bei nächster Gelegenheit beim Kartenspiel auszunehmen.

Einer nach dem anderen zog sich in die Kaleschka zurück, und es ergab sich, dass Innuendo und ich die erste Wache übernahmen. Es war eine schöne, klare Nacht, aber klirrend kalt. Bald hatte er mich dazu überredet, im Zelt eine Runde Karten zu spielen, und das auch noch um Geld. Wie er das nur immer wieder schafft? Außerdem versuchte er in den folgenden Stunden mehrmals, sich heimlich schlafen zu legen und die Wache mir allein zu überlassen.

Ich hatte sein Kartenspiel anfangs eingehend überprüft und trotzdem eineinhalb Silberstücke an ihn verloren, als wir draußen Lärm hörten und nachsahen. Zwei betrunkene Soldaten waren unterwegs, und machten nun Anstalten, mich in ihre nächtliche Feier miteinzubeziehen. Und genau diese Art Kerle mag ich nicht!

Ich wage ich zu bezweifeln, dass es Innuendos Anstand war, der ihn dazu veranlasste, sie auf meinen Wink hin fortzulocken. Wahrscheinlich hatte er nur etwas Spaß im Sinn. Er lockte die beiden ins Versorgungszelt und schlich sich davon, während sie ertappt wurden und riesigen Ärger bekamen.

Bisher war noch alles gut gegangen während unserer nachlässigen Wachschicht. Aber ich hätte mich nicht zu einem weiteren Kartenspiel breitschlagen lassen sollen. Gerade hatte ich zum zweiten Mal gegen Innuendo verloren, als draußen ein Mordslärm losbrach, Klirren, Gebrüll und Schreie ganz in der Nähe. Warum ich in diesem Moment Münzen vom Tisch klaubte, anstatt hinaus zu laufen, weiß ich selbst nicht. Auch Innuendo wollte den Wetteinsatz an sich reißen; währenddessen war längst der Rest der Gruppe erwacht und an uns vorbei nach draußen gestürmt.

Ein flaues Gefühl überkam mich; wir folgten ihnen. Das erste, was ich sah, waren die Flammen, die an Olkos Zelt leckten. Am Boden lagen ein zerbrochener Tonkrug und regloser Soldat. Zwei weitere starrten mit nacktem Entsetzen und eingenässten Hosen Olko an, der drohend die leere Hand gegen sie richtete und sie wie besessen anstarrte. In Rage hob und senkte sich seine Brust. Er war drauf und dran, die beiden umzubringen. In einiger Entfernung rasten die beiden Goblins fort Richtung Wald, ihre Kleidung noch in Flammen stehend. Was für ein Desaster!

Glücklicherweise gelang es Avessandra, Olko von einem weiteren Angriff abzuhalten. Ihre Schimpftirade gegen die Soldaten prallte jedoch wirkungslos ab. Sie starrten Olko schockstarr an und rannten schließlich davon, als würden sie von einer Horde Dämonen gehetzt.

Bolgar löschte das Feuer, Avessandra brachte den bebenden Olko ins Zelt, Boromeo rannte den Goblins hinterher, und Innuendo und ich wandten uns dem Schwerverletzten zu. Ich musste dieses Mal wirklich laut werden, damit Innuendo ihm nicht an die Taschen ging, und mich sein Leben retten ließ. Manchmal habe ich das Gefühl, er tut das nur, um mich zu ärgern.

 

*

 

Bolgar und Boromeo verfolgen nun gemeinsam die Goblins. Boromeo stolpert, Bolgar erreicht den Waldrand, wird dort aber von einem grellen Licht geblendet, als habe er direkt in die Sonne geschaut. Er schleudert noch seinen Wassersack nach den Flüchtenden, trifft jedoch nur einen Baum.

Boromeo rappelt sich wieder auf und rennt den Goblins in den Wald nach.

„Bleibt hier, ihr beiden! Ihr erfriert! … Wir haben unseren Arsch riskiert für euch! … Ach, verreckt doch!“

Während Bolgar noch immer nichts sehen kann, kehrt Boromeo um, belegt Rashka und Innuendo mit einem Furchtzauber und schreit sie gehörig zusammen, weil sie ihre Wache vernachlässigt und der Gruppe großen Ärger eingehandelt haben. Dann zieht er sich wütend in die Kaleschka zurück.

Avessandra betreut derweil den schockierten Olko, der sich schon halb besinnungslos getrunken hat, und die beiden unverletzten Soldaten werden von einem Vorgesetzten zur Schnecke gemacht. Innuendo und Rashka bleiben verschüchtert von dem Zelt stehen.

 

*

 

Rashka, du kennst dich doch gut im Wald aus?“

Ich hätte wirklich nicht auf diesen Tunichtgut hören sollen. Nicht schon wieder. Aber diesmal waren seine Absichten ja gut – das glaube ich jedenfalls. Auch er muss ein schlechtes Gewissen gehabt haben, deshalb schlug er mir vor, gemeinsam die Goblins zurückzuholen, um die Sache wiedergutzumachen.

Ich erzählte ihm von den Sumpfranzen, die mir auf der Seenplatte begegnet waren. Ich erinnerte ihn daran, dass ich fliegen und im Dunkeln sehen konnte – er weder das eine noch das andere. Doch er ließ sich nicht von der Idee abbringen, und ich stimmte schließlich zu. Der Schreck saß mir zu tief in den Knochen, um noch länger zu darüber nachzudenken. Außerdem war es mir ganz recht, etwas von den anderen weg zu kommen.

Bolgar begegnete uns, nicht verhehlend, dass er unsere Idee sinnlos fand, wies uns aber die Richtung und ließ uns ziehen. Wir erreichten den Wald. Mehrmals hätten wir die Spur fast verloren. Eine knappe Stunde waren wir schon unterwegs, weit langsamer wohl als die Goblins, aber immerhin hnter ihnen, da ertönte Wolfsgeheul aus einer unbestimmten Richtung. Wenn die Wölfe uns gewittert hatten, dann hatten wir ein Problem. Innuendo schlug vor, umzudrehen, ich willigte ein, wollte mir aber vorher noch auf dem Wanderstab einen Überblick verschaffen. Vielleicht würde ich aus der Höhe ein kleines Lagerfeuer oder dergleichen entdecken, damit unsere Wanderung nicht ganz sinnlos gewesen war. Innuendo hatte behauptet, er könne auf Bäume klettern, auch auf Tannen. Da konnte ich ihn doch gewiss kurz allein lassen; sein Protest nützte ihm nichts.

Hast du etwa Angst allein im Dunkeln?“, höhnte ich noch, bevor ich abhob, und sein „Ja“ forderte mich geradezu heraus, mich noch ein Weilchen länger umzusehen als nötig.

Es war nichts zu entdecken in den dunklen Wäldern, nur das magere Lichtchen seiner Laterne konnte ich von oben erkennen – und da ertönte erneut das Jaulen eines Wolfes. Nah. Sehr nah.

Ich schoss hinab auf die Baumwipfel zu. „Innuendo? Wo bist du?“ Da entdeckte ich ihn, das Gesicht zerkratzt, wie er sich weit oben auf einer der Tannen festklammerte. Er brachte es noch fertig, mich mit irgendeinem dreisten Spruch zu begrüßen, an den ich mich nicht mehr erinnerte – der hatte vielleicht Nerven! Sogar seine Laterne hielt er noch in der Hand.

Wie viele Wölfe sind das?“

Natürlich wusste er es nicht, doch bestimmt waren sie im Rudel unterwegs. Ein einzelnes Tier hätte ich noch besänftigen können, so aber blieb uns nichts übrig, als dass Innuendo die Stellung hielt, während ich aus dem Lager Hilfe holte. Wie lange würde seine Laterne noch leuchten?

Lass das Licht an, damit ich dich wiederfinde!“

Beeil dich!“

Ich flog so dicht ich konnte über den Baumwipfeln dahin, und doch schnitt der eiskalte Flugwind durch meine Kleider. So sehr ich mich beeilte und schon am Ziel wünschte, ebenso sehr hatte ich Angst davor, anzukommen und den anderen die Lage erklären zu müssen. Einzig die Gegenwart Runars (Anm.: die Kröte), den ich wie immer an meiner Seite trug, gab mir die Zuversicht, dass diese Nacht noch gut enden würde.

 

*

 

Olko hat sich indessen über einen Teil von Innuendos Spielkarten erbrochen, schläft nun, gegen Mitternacht, selig in diversen Kotzlachen und ist von Avessandra nicht wach zu bekommen; den Rest der Karten hat sie konfisziert. Auch sie ist wütend auf den Dieb und die Hexe und diskutiert mit Boromeo über die Auswirkungen ihrer prekären Lage. Von Jaruslaw von Kirschhausen-Krabbwitzkoje erwarten sie wenig Einsicht, trotz des Fehlverhaltens seiner Männer. Es steht wohl eine Gerichtsverhandlung an.

Bolgar hält draußen Wache und macht sich seine eigenen Gedanken.

Zur Übersicht