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21.
Tsa

Wald- und Wiesenhelden

Noch bevor der neue Tag anbricht, erlebt einer der Helden etwas Ungewöhnliches. Kolja findet sich plötzlich mitten im Traum an einem anderen Ort wieder, einem Hügel, der von einem dichten Dornendickicht umgeben ist. In einiger Entfernung kann er einen weiteren Hügel erkennen, auf dem eine Frau an einen Pfahl gefesselt zu sein scheint. Mit der Frage in Gedanken, ob ihr Name wohl Marta sei, macht er sich auf den Weg.

Das Unterholz erweist sich als äußerst störrisch, aber wie der erfahrene Waldläufer der Kolja nun mal ist, kostet es ihn nicht allzu viel Zeit. Bei der Dame angekommen stellt er fest, dass sie nicht wie zuerst vermutet von Stricken, sondern von goldenen Haaren gehalten wird. Mangels einer Reaktion der Guten erinnert er sich an seinen letzten Zoobesuch, nimmt einen Stock in die Hand und pikst sie. Als er dabei ausversehen eine der Strähnen durchtrennt, löst sich das ganze Geflecht und die stumme Lady ist frei – woraufhin sie sich sofort in eine Wolke schwarzer Vögel verwandelt und verschwindet.

Damit löst sich die Traumwelt auf und Kolja erwacht.

Am nächsten Morgen tut es ihm der Rest der Gruppe gleich. Zeran, der sich die vergangenen Tage wirklich ins Zeug legen musste, sieht bedeutend erfrischter aus. Anders so Ricarda, die laut Lugwin einen sehr unruhigen Schlaf hatte und auch die ganze Zeit vor sich hingemurmelt hat.

Vor der Abfahrt wird noch eine Frage geklärt, die bisher unbeantwortet blieb. Es geht natürlich um den Namen der Schiffe, die Brutsch und Jäni getauft werden, im Andenken an zwei Goblins, die die Heldengruppe ebenso wenig haben wollte.

Die Fahrt ist größtenteils ruhig, unterwegs können die Gefährten auf einem Hügel einen Waldschrat beobachten, der ihnen entweder zuwinkt oder eine rüde Geste mit der Hand macht. Das ist bei denen oft schwer zu erkennen.

Die Ruhe wird jäh unterbrochen, als Lugwin für einen Moment abgelenkt ist und sich eine Schlange von einem Ast auf ihn wirft. Zwar versucht Innuendo sofort, den Geschichtenerzähler vom Schuppenkriechtier zu befreien, aber es erweist sich als zu glitschig. Das aufgeregte Tier beginnt wild um sich zu beißen und versucht die Helden einzuwickeln und zu zerquetschen, glücklicherweise erfolglos. Es ist einem meisterlichen Schuss von Kolja zu verdanken, der sich auf dem hinteren Floß befindet, dass die Schlange schnell genug hat und ins Wasser verschwindet.

Der Rest des Tages verläuft erfreulicherweise unaufregend und es wird schnell ein Lagerplatz gefunden, der Sicherheit mit adäquater Bequemlichkeit verbindet.

Leider scheint unter dem Gebiet eine Wasserader zu verlaufen. Dieses Mal ist es Innuendo, der sich in einer gespenstischen Traumwelt wiederfindet. Um ihn herum befindet sich nur Wald, so weit das Auge reicht, bis auf ein enormes Pendel, das in einiger Entfernung über den Boden schwingt.

Als der Dieb dem dunklen Ding näherkommt, bemerkt er einen Körper, der nur knapp von der Axtklinge getrennt ist. Es handelt sich um eine hübsche, schwarzhaarige Frau, die bewegungslos dazuliegen scheint. Natürlich macht sich der ebenso schwarzgekleidete Dieb sofort daran, sie zu retten. Er passt den geeigneten Moment ab, zieht sie einige Meter zur Seite und kann im nächsten Moment sehen, wie sie sich in dutzende schwarze Vögel verwandelt. Sofort danach zerfällt die Welt um ihn herum und Innuendo findet sich stehend auf seinem Schlafplatz wieder.

Nach einer kurzen Beratung mit Lugwin, legt er sich dann doch wieder schlafen, aber Ruhe sollte er trotzdem nicht finden.

Einige Augenblicke zuvor hat Kolja wieder das Vergnügen, Besuch in einer anderen Welt zu sein. Vor ihm befindet sich ein Schrein, der Odislaw von Uspiaunen gewidmet zu sein scheint. Die Ebene ist gefüllt mit hunderten und aberhunderten schwarzen Vögeln, die die Szenerie krähend umkreisen. In Ermangelung einer anderen, interessanteren Handlungsmöglichkeit, beginnt er, zum Leidwesen der anwesenden Rabenvögel, einige Verse anzustimmen.

Ob nun durch Magie oder angelockt durch den grässlichsten Gesang außerhalb einer Festumer Studentenbar, kurz darauf taucht Innuendos Traumgestalt in der Nähe auf. Die beiden können sich nur kurz beraten, bevor eine weitere Gestalt erscheint. Es ist die schwarzhaarige Frau, die beiden bereits vorher begegnet ist. Sie verwandelt Kolja in eine Krähe, wahrscheinlich weil sie den Gesang mitbekam und annahm, er sei ein Tier, dass in Menschengestalt gefangen ist.

Innuendo kann sich durch die Einnahme einer Portion Antifee vor einer Verwandlung schützen. Die seltsame Frau verwandelt sich deshalb selbst und bedeutet den beiden Helden, ihr zu folgen. Gerade als Innuendo einen Schritt nach vorne macht, zerfällt die Traumwelt ein weiteres Mal und beide Gefährten werden zurück in die Realität geschickt.

Wieder dort angekommen, informieren sie noch Lugwin über die Umstände, Innuendo fertigt ein Porträt der mysteriösen Frau an und dann legen sich die, die nicht zu den armen Schweinen gehören die Wache halten müssen, wieder schlafen.

Erstellt von Benjamin
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