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12.
Tsa

In 80 Tagen durch den Wald

Tatsächlich hat der 12. Tsa bereits begonnen, aber gerade erst so, denn es ist kurz nach Mitternacht, als Bolgar von einem leisen Gespräch in Stallnähe geweckt wird. Die Hoffnung auf Spirituosen-befördernde Freunde, die ihn aus seinen Träumen riss, erfüllt sich nicht. Es handelt sich nur um Janko Ragaschoff, der einen anderen Mann mit Rucksack und Pferd in die Nacht hinausschickt.

Auf kurzen Beinen ist so einem Gaul natürlich nur schwer zu folgen, deshalb legt sich der Zwerg wieder schlafen. Falls aufgrund der nächtlichen Aktion Probleme entstehen kann man sich auch morgen darum kümmern, vorzugsweise mit einer Axt in der Hand und den Gefährten neben sich.

Apropos Morgen, der tritt früher ein als der Reisegruppe lieb ist. Noch ziemlich verschlafen wird die Weiterreise angetreten. Die übrigen Anwärter auf das Turnier lassen sich etwas mehr Zeit, der Seemann gezwungenermaßen, da seine Hunde wieder einmal Faxen machen. Janko, gewohnt schmierig, gibt sich keine besondere Mühe früh aufzubrechen.

Die Zeit auf dem Weg vertreibt man sich mit dem Erzählen von Geschichten. Vor allem Kolja und Ricarda tauschen sich beherzt aus.
Zu einer ersten Unterbrechung kommt es, als die Gruppe einen Wegweiser erreicht. Sogleich gibt es ein spontanes Konzert, als bei allen Anwesenden gleichzeitig die Alarmglocken läuten.
Nach einer kurzen Untersuchung stellt sich heraus, die Schilder am Wegweiser zeigen in die falsche Richtung. Auch die Nägel, die der Befestigung dienen, sind blanker als Bolgar nach dem Besuch einer Bar. In der Tradition des rhondragefälligen Turnieres wird der Fehler, der sicher einem unkundigen Kartenmacher und nicht etwa einem der anderen Teilnehmer unterlaufen ist, richtig gestellt. Es wäre zu schade wenn sich jemand im Wald verirrt.

Lugwins Linguistik-Lehrgang: Wenn man sich unsicher ist, wo genau man sich befindet oder wo das Reiseziel liegt, so kommt die Technik der Ortografie zum Einsatz. Wie die Wortherkunft vermuten lässt, stammt es aus dem Bosparanischen und hilft einem dabei, herauszufinden, an welchem Ort man sich in Relation zu anderen Orten befindet. Bei der Frage Warum man irgendwo ist, sollte man aber auf herkömmliche Techniken wie Religion zurückgreifen.

Nachdem das Problem beseitigt ist, geht die Reise wieder ereignislos weiter. Gegen Abend taucht dann ein reetgedeckter Unterschlupf neben der Straße auf, der sofort in Beschlag genommen wird. Misstrauisch wie eh und je, wird er natürlich genauestens untersucht. Kein Fehler, wie sich herrausstellt. Im Futtertrog befindet sich Pupskraut unter dem Weizen, welches sicher für eine unruhige Nacht gesorgt hätte. Lugwin kippt es ins Unterholz und nimmt der örtlichen Fauna damit wahrscheinlich für einige Tage das Vertrauen in ihr Verdauungssystem.

Auch der Holzstapel wurde in malignem Interesse präpariert. Das darübergeschüttete Lampenöl sorgt zwar für ein einfaches Entzünden, birgt beim Feuermachen aber auch die Gefahr eines kostenlosen Augenbrauen-Waxing.
Zur Überraschung aller scheint das Trinkwasser unversehrt, zumindest passiert Bolgar nichts, als er einen Schluck zu sich nimmt. Wobei das bei der berühmten Zähigkeit der Zwerge nicht unbedingt etwas bedeuten muss.

Nach und nach treffen auch die anderen Wettkampfanwärter ein. Als erstes schafft es der Seesoldat, der inzwischen wahrscheinlich sein Hundeleben verflucht. Jadwiege samt Knappe taucht als nächstes auf, dahinter der Ritter von der traurigen Gestalt. Der Recke, der sich in Begleitung einiger Kühe auf den Weg gemacht hat, gehört zum Hause Krovinsk-Nasshosen, was unter den Helden für ordentlich Unterhaltung sorgt.

Auch an diesem Abend legt man sich schnell zur Ruhe. Innuendo, der die erste Wache übernimmt, bekommt mit, wie sich Janko Ragaschoff samt seiner Sexochsen vorbeischleicht. Der Herr scheint eine Vorliebe für schwarzes Leder zu besitzen.

Auch bei Bolgars Wache kommt es zu einem interessanten Vorkommnis, er vernimmt im Wald ein Grunzen. Dieses Mal scheint nicht Janko der Urheber der nächtlichen Ruhestörung zu sein, sondern ein Wildschwein. Beziehungsweise ein Wildschein. Durch die Bäume ist nämlich ein weißes, an- und abschwellendes Leuchten zu erkennen, welches wahrscheinlich nicht natürlichen Ursprungs ist.
Der Zwerg beweist taktisches Verständnis, denn er setzt Aldrid von Elkenau, die mit ihm Wache hält, von der Entdeckung in Kenntnis.
Die folgt der typischen Vorgehensweise einer Adeligen, zieht erstmal ihr Schwert und schlägt sich so laut und selbstbewusst wie ein Ein-Mann-Orchester in den nächtlichen Wald.

Es dauert nicht lange bis sie zurückkehrt, bedeutend kleinlauter als bei ihrem Aufbruch. Auch auf Nachfragen der Abenteurer, die von Bolgar inzwischen geweckt wurden, gibt sie nur unkonkrete Aussagen. Es scheint etwas Übernatürliches im Gange zu sein, sie behauptet sogar, dass es sich um Geister handelt. Lugwin begibt sich auch einige Schritte in den Wald um sich das Phänomen selbst anzuschauen, kehrt aber sehr schnell zurück. Nicht jede Geschichte ist es wert, sich in Gefahr zu begeben.

Nach einer Weile verschwindet auch der Lichtschein und man begibt sich wieder zur Ruhe, um für die Weiterreise bereit zu sein.

Erstellt von Benjamin
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Kommentare

Ich hoffe wir haben noch viele weitere Begegnungen mit dem Herrn von Feuchtgewand.

Geschrieben von Benjamin am 14.03.2020 um 21:06