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9.
Tsa

Das Ding aus einer anderen Welt

Der Rest des 08. Tsa verläuft größtenteils ereignislos. Bis auf Zeran, der sich die Gelegenheit nicht nehmen lässt, dem Meistermagier Wippflügler bei der Arbeit zuzusehen und einige Dinge zu lernen, gönnen sich die erschöpften Gruppenmitglieder eine wohlverdiente Ruhepause.

Es ist bereits früher Abend, als sie sich wieder auf den Weg zum Gasthaus machen, jetzt ausgerüstet mit den besten Anti-Dämonenwaffen die Salderkeim produzieren kann. Jeder der Helden nennt mindestens eine brandneue Waffe sein Eigen, die entweder durch Zauber oder Blattsilber veredelt wurde.


Bolgars Stylingtipps: Silber sieht nicht nur gut aus, wenn man mit den anderen Zwergen zum Trinken geht, sondern hilft auch, wenn man plötzlich Dämonen bekämpfen muss. Deshalb empfehle ich dem Influenzwerg von heute stets mindestens eine dekorative Zweihandwaffe aus Silber. Diese komplementiert auch sehr gut das hübsche Gold im Outfit.


Die Reise ähnelt zuerst dem bisherigen Tag und zwar in der Hinsicht, dass so gut wie nichts aufregendes passiert. Bis auf einmal die Kutsche gestoppt wird. Auf dem Weg vor den Reisenden steht ein Wagen im Dunkeln, der verlassen scheint. Bolgar ist den anderen trotz seiner kurzen Beine einige Schritte voraus und beginnt, das Gefährt unter die Lupe zu nehmen. Es ist beladen mit Säcken voller Korn, aufsehenerregender sind aber die Ochsen, die abgeschlachtet auf der Straße liegen. Nachdem Kolja den Verwundeten der beiden von seinem Leid erlöst hat, ist der Wagen natürlich bedeutend schwerer zu bewegen. Nicht wegen der bleiernen Stille die jetzt auf ihm lastet, sondern weil die Zugtiere tot sind.

Es ist schwer zu sagen, ob das dem Besitzer etwas ausmacht, er, bzw. sein Leichnam scheinen sich nicht in unmittelbarer Nähe zu befinden. Kolja und Bolgar folgen einigen Spuren in den Wald, aber nachdem Ertönen eines unheimlichen Geräusches aus den Gebüschen vor ihnen, begeben sie sich lieber zurück zur Kaleschka.

Da der kurze Ausflug keine konkreten Informationen über den Verbleib des Wagenfahrers erbracht hat, wird sein Gefährt kurzerhand an den Rand der Straße geräumt.
Das geschieht erstmal vorsichtshalber, denn noch ist die Gruppe unsicher über das weitere Vorgehen. Eine Weiterfahrt zum Gehöft würde ihnen natürlich eine bessere strategische Position gegenüber der unbekannten Wesenheit verschaffen, könnte aber den Tod des walderkundenden Bauern zur Folge haben.
Während die Helden sich noch beraten, macht sich plötzlich ein ungutes Gefühl unter ihnen breit. Die Tiere des Waldes, die üblicherweise auch Nachts ihre Paarungsbereitschaft hinausbrüllen, sind verstummt. Natürlich könnte es daran liegen, dass sie sich die Gesetze über Ruhestörung durchgelesen haben, aber die Abenteurer wollen trotz ihres Namens kein Risiko eingehen und nehmen eine Defensivposition ein.

Bolgar bemerkt als erstes, dass sich von Norden ein Schatten extrem schnell auf die Straße zu bewegt. Er hat kaum Zeit, die anderen zu warnen, da hat das Wesen bereits den Rand der Böschung erreicht, springt auf das Dach der Kaleschka und von da aus in Richtung der Pferde, die Kolja im Wald angebunden hatte. Es ist nur ein kurzes, von Furcht erfülltes Wiehern und einige feuchte Laute zu hören, als würde man einen Stapel nasser Stofftücher zerreißen, dann herrscht wieder Stille.

Eine sehr kurze, sehr vorsichtige Inspektion von Innuendo bestätigt das vermutete Schicksal eines der Reittiere. Glücklicherweise geht es Koljas Pferd Pferd gut, wenn es auch etwas mitgenommen umherschaut.

Nach einer derartigen Zurschaustellung der Kraft und Geschwindigkeit des dämonischen Wesens wird schnell die Entscheidung zugunsten der Weiterfahrt gefällt. Selbst die Mutigeren unter den Helden halten es für reinen Selbstmord, einer derartigen Kreatur in ihrem bevorzugten Terrain entgegenzutreten.

Dieser Teil der Reise erinnert an vorherige Nacht, angespannt und wachsam lauscht die Gruppe in die Nacht hinaus. Nach gar nicht mal so langer Zeit ist am Wegesrand dann das Schild zu erkennen, das den Weg in Richtung Gaststätte weist.
Als die Reisegruppe die Lichtung erreicht, bleibt die erhoffte Entspannung aber aus. Das Haus ist komplett dunkel und wirkt abweisend, von einem herzlichen Willkommen ist hier absolut nicht die Rede.

Entgegen der ungemütlichen Atmosphäre verlaufen die folgenden Stunden aber ausgesprochen ruhig.
Kolja und Zeran beginnen damit, die Außentreppe zu inspizieren. Die Kreatur hat sich den Weg direkt durch das Gerümpel gebahnt, dass im Innern aufgetürmt war und hat die Tür schlicht aus den Angeln gerissen.
Im Innern des Kellers können sie nun auch begutachten, was sich hinter der ominösen Tür befand, die die Kreatur zuvor zurückgehalten hatte. Das Heim des Wesens ist eine große, natürliche Höhle, deren Mitte von einem Beschwörungskreis geziert wird, der in den Boden eingelassen ist. In der Decke befindet sich ein metallenes Gitter, das eine Verbindung zum abgedeckten Brunnen auf der Oberfläche darzustellen scheint. Nachdem die beiden Hobby-Archäologen genug gespielt haben, machen sie sich auf in den Schankraum.

Dort hat Lugwin ein Feuer entzündet und für etwas Wärme und Behaglichkeit gesorgt. Auch Bolgar ist bereits wieder eingetroffen. Dieser hatte, mit Unterstützung von Alriksei, Marja dabei geholfen die Kaleschka in die Scheune zu schaffen. Dabei machten sie auch eine, je nach Standpunkt unterschiedlich aufregende, unangenehme Entdeckung. Über ihnen, wie ein Hemd zum Trocknen aufgehängt, befindet sich die Leiche des ehemaligen Stallburschen, die einem Dachbalken einen neuen Anstrich verleiht. Natürlich konnte man ihn da nicht einfach so hängen lassen, weshalb Bolgar ihn mit Alrikseis Hilfe nach unten geschafft und wie den pietätslosesten Gartenzwerg des Bornlandes auf dem Rasen drapiert hatte.

Es vergeht eine gewisse Zeit, in der die Helden wachsam bleiben und diverse nützliche Gegenstände aus dem Haus zusammentragen. Glücklicherweise vergeht der Rest der Nacht ereignislos und mit den ersten Sonnenstrahlen, die über die Wipfel der Bäume streichen, macht sich Erleichterung breit. Im Tageslicht wirkt der Wald bedeutend freundlicher.

Die Helden entscheiden sich dazu, den gewonnen Tag gewinnbringend zu nutzen und sich auf die folgende Nacht besser vorzubereiten. Zu diesem Zweck soll der Brunnen ausgehoben werden um eine Falle für das Wesen vorzubereiten. Eine Rauchsäule die in Richtung Nordwesten aufsteigt, wird vorerst ignoriert. Das Besiegen der Kreatur hat Vorrang vor dem Aufspüren eventueller weiterer Opfer.

Im weiteren Verlauf des Tages erkunden die Helden die Reste des Brunnens, befreien das Gitter und den Schacht von Unrat und Erde und tragen die steinerne Einfassung ab. Das Gitter wiederum verfügt ob Vorrichtungen, die ein einfaches Öffnen und Schließen ermöglichen, was perfekt zum ausgearbeiteten Plan passt.
Das Loch über dem geöffneten Gitter wird mit angesägten Holzplanken und allerlei Grünzeug und Blumen abgedeckt. Nach diesen umfangreichen Vorbereitungen fehlt nur noch ein geeigneter Köder.
Wie gerufen tritt aus dem nahen Wald plötzlich eine Schafherde. Obwohl das natürlich eine einmalige Gelegenheit wäre, wird letztendlich doch entschieden, den toten, halbverwesten Körper aus dem Keller zu verwenden, anstatt eines der wohlgenährten, ahnungslosen Schafe. Das wird sich definitiv als eine gute Idee erweisen. Der Schäfer, bei dem nicht klar ist ob er bei einem Wettkampf der Intelligenz zwischen ihm und seinen Schafen tatsächlich auf dem ersten Platz landen würde, wird von Lugwin abgefüllt und in einem Zimmer untergebracht.

Nun beginnt die Zeit des Wartens, die einige Helden nutzen um sich auszuruhen und nach der harten Arbeit für einen eventuellen Kampf gerüstet zu sein.
Und tatsächlich, mitten in der Nacht ist plötzlich ein unheimliches Knurren zu vernehmen. Das unheimlich tiefe Geräusch, das eine Zigarettensucht vermuten lässt, geht durch Mark und Bein und sorgt nicht nur bei den Helden für unangenehme Vorahnungen. Die Tiere im Stall, in den auch die Schafe geführt wurden, sind hörbar aufgeregt. Und das zurecht. Absolut unhörbar und im Schatten kaum zu erkennen, schiebt sich der Wolf zuerst an das Tor und dieses dann auf. Selbst das sofortige Reagieren Bolgars, der seine Gefährten weckt und nach draußen stürmt, kann nicht verhindern was folgt.

Aus dem hölzernen Gebäude ertönt eine Kakophonie an unterschiedlichen Tierlauten, die allerdings eines vereint - sie alle klingen nach blanker Furcht. Es bleibt den Helden nichts anderes übrig, als dem Gemetzel zu lauschen. Bolgar befindet sich gerade mal auf halbem Weg zur Scheune, als die Geräusche verstummen und aus der Dunkelheit des Gebäudes tritt das Wesen, das sich den Blicken der Helden so lange entzogen hat.

Ein beinahe bärengroßer Wolf, mit Auswüchsen am Rücken die fühlergleich im Wind schwingen und mit hochgezogenen Lefzen die mit dem frischen Blut seiner jüngsten Opfer getränkt sind.

Die abscheuliche Kreatur bewegt sich schneller als die Helden reagieren können und fällt Bolgar an. Mehr durch Glück als eine gezielte Aktion kann dieser die zubeißenden Fänge mit seinem Schild abwehren, ist dadurch aber nicht mehr in der Lage, auf die heransausende Pranke zu reagieren. Sie hat ihn gerade getroffen und einige bös aussehende Striemen hinterlassen, als von der Seite ein Ruf ertönt und plötzlich eines von Innuendos Wurfmessern bis zum Heft in ihrer Seite steckt.

Man sagt, ein paar Gramm Silber in den richtigen Händen können töten, die Kreatur merkt aber, dass sie auch ohne Todesfolge enorm weh tun und ist entsprechend erzürnt.

Diese kurze Ablenkung genügt aber, dass Bolgar sich auf Lugwins Ruf hin unbeachtet zurückziehen kann und neben seinen Gefährten hinter dem versteckten Brunnenloch Aufstellung nimmt. Die Kreatur hat verständlicherweise Besseres zu tun, als dem wehrhaften Dosenfutter zu folgen und bewegt sich stattdessen direkt auf Innuendo zu. Mit der Eleganz des heimlichen Jägers und der gewaltigen Kraft unheiliger Energie landet es vor den Füßen des eingeschüchterten Diebes und damit auch direkt auf den versteckten Holzbrettern.

Doch noch halten sie und das wütende Wesen schlägt und beißt nach Innuendo, der sich, trotz seiner sonstigen Schnelligkeit, den Angriffen nicht erwehren kann und zwei sehr tiefe Wunden hinnehmen muss. Doch die Sekunden die nötig waren um den Schwarzgekleideten auszuschalten waren genug und mit einem lauten Knacken brechen die Holzbretter.

Sowohl die Kreatur als auch Innuendo folgen dem Beispiel des Festumer Gulden in Krisenzeiten - sie beginnen zu fallen.

Mit einem schauerlichen Schrei prallt die bösartige Chimäre auf den Boden ihres einstigen Gefängnisses. Die Helden reagieren sofort, mit vereinten Anstrengungen ziehen sie beiden Teile des Gitters nach oben, die Bolzen rutschen in ihre Position und verschließen das Gitter fest. Die Gefahr scheint gebannt.

Trotzdem möchten die Helden auf Nummer sicher gehen und Kolja beginnt, Pfeile auf das nun wehrlose Wesen regnen zu lassen. Es benötigt beinahe ein Dutzend versilberter Geschosse, bis es endlich zusammenbricht und unter schauerlichem Gestank eine schwarze Wolke gen Himmel aufsteigt.

Nachdem sicher scheint, dass von dem verwesenden Leichnam keine Gefahr mehr droht, wird der Gefallene versorgt und aufgepäppelt und die gesamte Gruppe kann sich nun zum ersten Mal seit einigen Tagen ausruhen, auch wenn die Anspannung nur spärlich nachlässt.

Am folgenden Tag reisen die Helden nach Salderkeim und verkünden die frohe Botschaft. Der Besitzer des Gasthauses bedankt sich überschwänglich und verspricht, den gesamten unterirdischen Komplex zuschütten zu lassen. Auch Wippflügler ist angemessen erfreut über den Einsatz der Helden und ersetzt in ihrem Namen die Pferde der Termundens, die die Nacht in der Scheune leider nicht überstanden haben.

Gerüchte, die behaupten, dass Pferd beim Ableben seiner Artgenossen die Hufe im Spiel hatte, konnten nicht bestätigt werden, da es außer ihm keine Überlebenden gab die man hätte befragen können.

Nach getaner Arbeit reist die erschöpfte Gruppe dann endlich weiter in Richtung ihres eigentlichen Zieles, Irberod, nun allerdings zu Fuß. Es bleibt abzuwarten, ob ihre Reise von nun an ereignislos bleibt.

Erstellt von Benjamin
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Kommentare

Boah war das viel. Aber wie unsere tapferen Helden habe ich es jetzt ja endlich "geschaft".

Geschrieben von Benjamin am 27.01.2020 um 20:32