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Hesinde

Die drei Fragezeichen - Gefahr im Verzug

02. Hesinde 1039

So langsam scheint Lugwin sich an das Abenteurerleben zu gewöhnen. Zumindest das frühe Aufstehen bereitet ihm keine Probleme mehr.

Wäre der Morgen ein Mensch, wäre er gerade jung genug um eingeschult zu werden und trotzdem ist der Geschichtenerzähler bereits hellwach und angezogen als es an seiner Tür klopft.

Herein tritt ein halber Riese, von stattlicher Statur und in der Gewandung eines Magiers. Da er sich ducken muss um durch die Tür zu gelangen, kommt sein Gesicht Lugwin wenigstens ein bisschen näher, aber dieser ist sich trotzdem sicher, selbiges noch nie gesehen zu haben. Vor allem, weil es schwer wäre, den Körper zu vergessen, an dem es befestigt ist.

Der Neuankömmling stellt sich sogleich als Zeran Dambulin vor, gelehrter Jungmagier der berühmten Akademie zu Punin.

Er sei hier auf Anfrage der Spektrabilität der Neersander Akademie, die wiederum Salwinjas Bitte, einen Magier zu schicken, nachkommt.

Ursprünglich kam er ins Bornland um Ereignisse zu untersuchen, die auf Elementaraktivität und Vorkomnisse an kulturellen Stätten hinweisen. Naja, wenn er sich entschließt weiter mit der Gruppe zu reisen hat er bald mehr als genug Anschauungsmaterial.
Über den gemeinsamen Austausch bleibt leider keine Zeit, die morgendliche Messe zu besuchen.

Während am Nachbartisch Innuendo von Senkins ungewöhnlichem Kategorisierungssystem erfährt und sich danach in einer unangenehmen sozialen Situation mit der weinenden Terrinja gefangen sieht, trifft Bolgar bei den beiden Messeschwänzern ein. Als sich Zeran Dambulin, gelehrter Jungmagier der Akademie zu Punin vorstellt, bleibt die erhoffte Begeisterung allerdings aus. Der Kurzbeinige grummelt einige Worte, die sich sicher als Begrüßung interpretieren lassen.

Es könnte aber auch sein Magen gewesen sein, Bolgar widmet sich prompt seinem Essen.

Wie üblich für das Frühstück auf Burg Korswand, stehen alle etwas weniger hungrig auf, als sie sich gesetzt haben. Sodann geht es gleich zum Abtbaron, um diesen vom Erscheinen des Neuankömmlings in Kenntnis zu setzen. Endlich erhält Zeran Dambulin, gelehrter Jungmagier der Akademie zu Punin, die gebührende Aufmerksamkeit, als Jedomir ihn nach allen Regeln der Kunst willkommen heißt. Er scheint sich zu freuen, dass nun ein verlässlicher Magiekundiger vor Ort ist, der Fetanka und die Lichtung einschätzen kann.

Seine gute Laune wird aber weniger als er Bolgar vor sich hat. Das ist dieses Mal allerdings weniger dessen Verhalten geschuldet, als dem Umstand, dass der Zwerg von dem Lager im Wald berichtet. Als freundlicher Nachbar ist der Baron bestürzt, dass die unbekannten Besucher nicht seine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen wollen und schickt vier Sonnenlegionäre zu ihnen. Auch verspricht er, sich mit Rochnow zu unterhalten, nachdem Geschichtenerzähler und Kartograf ihre Erlebnisse von letzter Nacht schildern.

Während also Baron Jedomir seinen Pflichten als Herr der Burg nachkommt, besuchen die drei Hobbydetektive das Gelass, genaugenommen den Raum, in dem Fetanka einsitzt. Diese ist gleichermaßen erleichtert wie sauer, dass sie so lange warten musste, bis jemand vorbeikam.

Ihre Meinung ändert sich schnell - zum Schlechteren.

Nicht nur, dass sie dem Neuankömmling nicht vertraut, schließlich ist er ein Vertreter des Establishments, dieser scheint sie auch noch mit total unnötigen Fragen zu löchern. Da sie nicht weiß, dass er sie bewusst testet, zweifelt sie sehr an seinen Fähigkeiten und selbst die sonst so beruhigende Stimme Lugwins, hilft dieses Mal nicht.

Nachdem der Magier sie genug bedrängt hat, entscheidet er sich, nun die Lichtung zu untersuchen. Der Geländezeichner und der Narrativvermittler begleiten ihn, während Innuendo innerhalb der Mauern verbleibt. Einerseits, um Informationen über die Vorgänge vor dem Erscheinen der Gruppe zu sammeln und andererseits, um seiner Aversion gegenüber Wachpersonal Folge zu leisten.

Auf der Lichtung angekommen, stellt Lugwin sofort fest, dass sie übersät ist, mit neuen Spuren. Anscheinend herrscht hier reger Betrieb, seit die Zibilja festgesetzt wurde. Auch Zeran findet einige Spuren, weniger visueller Natur als vielmehr metaphysischer.

Sowohl der Stock als auch die Zeichen am Baum sind eindeutig nicht magisch, aber der Baum selber ist Teil eines Geflechts an Energielinien, die sich selbst über weite Entfernungen zu erstrecken scheinen. Der Feenkreis ist ebenfalls Teil davon, aber es scheint sich nicht um Magie zu handeln, die durch Wesen gebändigt ist, es ist mehr die vegetarierfreundliche Variante natürlicher Magie. Und sie ist alt. Alt und mächtig. Wahrscheinlich am besten vergleichbar mit dem Yellowstone-Gebiet, wohingegen die bisherigen Ausbrüche dem Backpulver-Vulkan eines Fünftklässlers ähneln.

Besonders wichtig ist auch, dass diese elementbasierte Magie nur sehr, sehr unwahrscheinlich für die Vorgänge im Schloss verantwortlich sein kann. Auch wenn die mutige Abenteurergruppe und Innuendo bereits eine Begegnung mit elementbasierter Beherrschung hatten, handelte es sich dabei um tatsächliches Grünzeug, anstelle der Kohlköpfe in der Burg.

Laut Lugwin ist die ganze Situation nicht übermäßig ungewöhnlich, viele Sagen und Legenden sprechen von der vernichtenden Macht der Elemente in Verbindung mit Goblinmagie.

Jedoch werden plötzlich alle Gedankengänge abgebrochen, die Geräusche eines Kampfes legen die Überlegungen, zugunsten von Adrenalin und Anspannung, in die Warteschleife. Nicht weit entfernt ist ein Tumult ausgebrochen, vier Sonnenlegionäre wehren sich erbittert gegen fünf Angreifer. Zwei der üblen Gesellen beweisen ihre Korstreue, indem sie die nach ihm benannten Spieße tragen. Unter den drei verbleibenden ist der Bärenfellmantel eines Bronjaren gut zu erkennen, nicht zuletzt, weil sich der Träger nicht die geringste Mühe gemacht hat, ihn zu verstecken.

Ilbin, er ist nämlich einer der Sonnenlegionäre, verfehlt knapp einen Gegner und blickt etwas verzweifelt drein, was die drei Helden endlich zum Handeln animiert. Lugwin macht den Anfang und lässt kurzerhand einen Gegner zu Boden gehen, nachdem er ihm seinen Stab mit ordentlich Schwung in die Kniekehlen gerammt hat. Auch Bolgar trifft seinen Gegner, kann aber nicht verhindern, dass einer der Sonnenlegionäre dasselbe Schicksal erleidet. Über das Klingen der Klingen hört niemand das leise Murmeln, mit dem Zeran einen seiner Zauber vorbereitet.

In den nächsten Sekunden werden einige Schläge ausgetauscht, es gibt Verletzungen auf beiden Seiten, als plötzlich ein Sausen wie von starkem Wind ertönt und mit lauten Pling und Plock-Lauten prasselt ein wahrer Sturm winziger Metallteile auf den Bronjaren ein. Die Schrappnelle zerlegen kurzerhand Kettenhemd samt Sternum und lassen den Brustbereich aussehen wie gehackte Mettwurst. Nur blutiger.

Von der Gewalt der Attacke beeindruckt erlischt langsam die Gegewehr der Angreifer. Die beiden in korgefälliger Gewandung werden nacheinander von den Sonnenlegionären niedergemacht, die zwei letzten Agressoren werfen, auf Anraten Lugwins, ihre Waffen zu Boden und treten die Flucht an.

Pech nur, dass Bolgars Jagdinstinkt einsetzt und er die beiden Fliehenden wie ein Rachedämon vor sich her hetzt. Einer der beiden scheint sich von seiner Furcht eher lähmen als beflügeln zu lassen, er wird vom Zwerg zuerst ein- und dann auf den Boden der Tatsachen geholt. Bei der eher unsanften Landung bemerkt er den zusätzlichen Vergeltungsschlag des kurzbeinigen Kämpfers kaum.

Lugwin hat unterdessen ähnlich wenig Glück. Zwar schließt er zu seinem Ziel auf, beim anschließenden Versuch dieses durch einen Sprung zu fangen, erwischt er aber nur einen Baumstumpf. Dafür aber richtig, der wird sicher nirgendwohin laufen. Da einer der Grobiane entkommen ist, ist schnell die Entscheidung getroffen, sich in die Burg zurück zu ziehen.

Keine schlechte Idee, wie sich zeigen soll. Kurz vor dem Erreichen der Burg brechen knapp 15 Bewaffnete aus dem Wald hervor, die sicherlich Kleinholz aus der Gruppe gemacht hätten, sähen sie sich nicht einer riesigen Truppe Dorfbewohner gegenüber. Ilbin hat vorsichtshalber die Bevölkerung gewarnt und sie gebeten, in der Burg Schutz zu suchen. Ein Schachzug, der den Guten jetzt zu Gute kommt.

Nachdem man sich durch die Massen an Fußvolk gekämpft hat, das den Burghof temporär belegt hält, kommt es zum entscheidenden Gespräch mit Jedomir.

Der Gefangene wird, mit einer Menge Hinweise auf die Schrecken des „alten Behandlungszimmers“, in sein neues Heim gebracht, eine Zelle im dunklen Keller des Turms.

Angesichts der stark veränderten Situation beschließt Lugwin, die Scharade um Innuendo und die Nachforschungen aufzugeben. Auch wenn das Gesicht des Abtbarons einen Künstler dazu inspiriert hätte, ein Gemälde nur in Kaminrot zu kreieren und die Periode der monochromen Malerei in Aventurien auszurufen, versteht der Praiosdiener die Umstände und verzichtet auf eine Strafe. Für den Moment.

In der Tat gibt es wichtigeres für ihn, seiner Aussage nach war das Gespräch mit Bruder Rochnow nämlich nicht sehr erhellend. Im selben Moment scheint er das aber wieder zu revidieren, er signalisiert nämlich mit seinen Händen, ihn in fünf Minuten in seinem Gemach zu treffen.

Er verlässt den Raum, doch bevor die Helden ihm folgen können, nehmen sie ein geflüstertes Gespräch aus dem Keller war. Einer der Teilnehmer soll zwei weitere Gegenstände finden, was ihm durch eine Zellenuntersuchung erschwert wird. Es scheint sich um Bruder Rochnow und Enjan den Berserker zu handeln.

Leider ist körperliche Subtilität nicht des Magiers Stärke und das Gespräch verstummt, bevor die Lauscher mehr in Erfahrung bringen können. Kurzerhand behaupten sie, sich mit Fetanka treffen zu wollen.

Diese ist, in gewisser Weise, selbst im Kerker nützlich, denn sie berichtet von Geflüster und Geklopfe, das sie nachts häufig wachhält. Ein Advokat des Teufels könnte jetzt anmerken, dass ein früherer Besuch bei ihr sicher nützlich gewesen wäre, glücklicherweise befindet sich aber keiner unter den Abenteurern.

Fetanka wird noch kurz mit zum Abtbaron genommen, um eine Freilassung aufgrund ihrer höchstwahrscheinlichen Unschuldigkeit zu verhandeln, doch in der derzeitigen Situation ist der Abtbaron nicht gewillt, dem Gesuch Folge zu leisten, auch wenn er der Gefangenen erleichterte Bedingungen zugesteht, ein Umstand, der ihr vielleicht sogar das Leben retten könnte, hat sie doch möglicherweise brisante Informationen vor Bruder Rochnow persönlich preisgegeben.

Es stellt sich im Gespräch mit dem Abtbaron auch noch heraus, dass besagter Bruder Rochnow nicht, wie von ihm angegeben, für den erkrankten Enjan zuständig ist. Mit dieser Information, die nur ans Tageslicht kam, weil Bolgar und Lugwin fleißig Akten gewälzt haben, steht den Helden nun mehr als genug Handlungsspielraum zur Verfügung. Es bleibt weiter spannend und damit zurück zum Studio und dem Wetterbericht.

Erstellt von Benjamin
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Kommentare

das ist ähhh flair

Geschrieben von Benjamin am 26.09.2019 um 19:34
BTW: Das Datum kannst Du dir Sparen, das macht die Seite von selbst XD

Geschrieben von Ingo am 22.09.2019 um 18:39
Ist ne Nachwirkung ihrer letzten Inkarnation, die stand ja auf Reisen :)


Geschrieben von Ingo am 22.09.2019 um 18:38
Ich bin schon einigermaßen beeindruckt, dass Zeran aus Punin kommt. Ich hätte nie gedacht, dass Salwinja so weit reitet nur um an einen Magier zu kommen.

Geschrieben von Benjamin am 16.09.2019 um 16:45