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28.
Boron

Krieg und Frieden

Das Wetter an diesem Morgen ist kalt und windig, also die üblichen Reisebedingungen. Früh am morgen bricht die Gruppe auf und glücklicherweise verläuft ein Großteil des Tages auch recht ereignislos. Deshalb gibt es genug Zeit sich über die Kampffähigkeiten der Gruppe zu unterhalten, von denen Salwinja äußerst unbeeindruckt ist. Ihrer Ansicht nach besteht da noch massiver Verbesserungsbedarf.

Nachdem Bolgar und Innuendo einige Stunden äußerst detailliert zu hören bekommen was sie falsch machen, erreicht die Gruppe schließlich eine Anhöhe, von der aus man ein ziemliches Gebiet überblicken kann. Uspiaunen ist gut zu sehen, ebenso wie die Rauchsäulen die davor aufragen. Böse Vorahnungen unterdrückend, schaut Bolgar sich mit seinem Fernrohr um und vermutet bald, dass es sich einfach nur um die Lagerfeuer der Norbarden Sippe handeln muss. Doch noch etwas anderes erweckt die Aufmerksamkeit unserer wandernden Helden.

Ein Schrein, keiner bestimmten Gottheit gewidmet, aber ausgestattet mit Opfergaben. Er ist geschmückt mit bildern, die die Geschichte von Urnislaw von Uspiaunen zeigen. Darunter auch, wie er den Riesen verhext und mit seinem Zauberstab die berühmte Esche erschafft. Obwohl künstlerisch durchaus anmutend, kann es unsere Helden nicht davon abhalten, die Norbarden aufzusuchen.

Sie gehen gerade so dahin, nichts Böses im Sinn, da ertönt ein lautes PING, als von Salwinjas Helm ein Stein abprallt. Bolgar geht sofort in den Kampfmodus über und zückt seine Armbrust, aber Innuendo ist noch ein bisschen schneller. Anstatt einem martialischen Armbrustbolzen wirft er erstmal einen Schneeball auf ein Gebüsch, in dem er meint einige Gekicher zu hören und einige Gestalten zu sehen.

Es antwortet zuerst Gekicher und dann eine ganze Salve an Schneebällen, die allerdings längst nicht so gut gezielt sind. Der Feind scheint sich von der Überraschung noch nicht ganz erholt zu haben. Bolgar bemerkt, dass es sich um Kinder handelt und macht das einzig Vernünftige. Er packt seine Armbrust weg und zieht seinen Lindwurmschlächter, um mit Gebrüll in Richtung der Kinder zu stürmen. Diese reagieren wie es jedes vernünftige, kulturschaffende Wesen im Angesicht eines wütenden Zwergs tun würde – sie rennen weg. Zwar sieht auch Salwinja das als einen Anlass an sich in Bewegung zu setzen, aber im Unterholz hat sie endlich einen würdigen Gegner gefunden und muss die Verfolgung aufgeben. So kehrt sie notgedrungen und leicht brodelnd zu Innuendo zurück, der gerade seine Unterhaltung mit ihrem Pferd beendet.

Sie entschließen oder besser gesagt, sie entschließt, ein Stück zurückzureiten um direkt mit den Norbarden zu reden, denn um deren Kinder scheint es sich gehandelt zu haben. Angesichts ihres wütenden Gesichtsausdrucks vermeidet Innuendo es lieber, ihr von der selbstgebastelten Krone auf dem Haupt eines der Kinder zu erzählen.

Bolgar ist währenddessen beim Lager angekommen, dank seiner Abkürzung durch den Wald. Wie bei einer Kindergartengruppe, die einen Stuhlkreis bilden soll, ähnelt die Anordnung der norbardischen Wagen eher dem Umriss eines Eis. Durch eine Lücke in den hölzernen Wänden der Wagenburg entdeckt Bolgar auch die Übeltäter, deren wahrscheinliche Anführerin, ein Mädchen mit selbstgebastelter Krone, sich lautstark bei einem Erwachsenen beschwert.

Erstaunlich subtil macht Bolgar auf sich aufmerksam und wird misstrauisch, aber nicht feindselig, empfangen. Wie ein zu groß geratener Wetterfrosch warnt er die Norbarden vor dem Sturm, der wahrscheinlich bald über sie hereinbrechen wird.

Apropos, Salwinja kommt kurz darauf am Eingang des Lagers an. In einem Zug der Kasparow persönlich gleichkommt, setzt sie als erste Spielfigur einen Bauern ein und der arme Innuendo macht sich auf den Weg zwischen den beiden waffenstarrenden Parteien zu vermitteln. Das läuft den Umständen entsprechend gut und die beiden werden gebeten sich dorthin zu begeben wo Bolgar die Norbarden mit seiner Anwesenheit beglückt. Aufgrund ihrer Weigerung abzusitzen und dem Umstand, dass Bäume von Grund auf zu unhöflich sind um ihre Äste aus dem Weg zu nehmen, hat Salwinja auf dem Weg immer wieder die Gelegenheit kurze, aber intensive Begegnungen mit der Natur zu erleben.

Endlich am Treffpunkt angekommen, Salwinja etwas schneebedeckter als der Rest, trägt die Gruppe auch sofort ihr Anliegen vor. Aufmerksam lauschen die Mume Dascha Janatreff und die Zibilja Fetanka dem Vortrag. Besonderen Eindruck scheint die Erzählung des Überfalls zu schinden, ähnlich einem Chamäleon passt sich die Gesichtsfarbe der Gastgeber ihrer Umgebung an. Bedeutend hilfsbereiter verraten sie nun ihren Teil der Geschichte. Demnach wurden sie vor einer Weile von Anzak von Rodebrandt Ask aufgesucht, der ihnen eine gewisse Summe Geld versprach, wenn sie Alazar für eine Weile aus der Stadt locken. Dem Aussehen des Lagers nach könnten die das durchaus gebrauchen.

Leider wird Innuendos Versuch, aus dem Fehlverhalten der Norbarden einen Vorteil zu erhalten. Von Bolgar unterminiert. Nichtsdestotrotz lassen sie sich zumindest teilweise zur Zusammenarbeit bewegen. Ihrer Aussage nach erhalten sie das Geld nämlich erst in zwei Tagen, bei einem Treffpunkt nahe Korswand. Vor allem Bolgar vermutet, dass es bei diesem Treffen nicht mit rechten Dingen zugehen wird. Und so trifft man den Entschluss am nächsten Morgen gemeinsam weiterzureisen und auch weiterhin wollen alle Hand in Hand arbeiten. Die Norbarden sollen während der Geldübergabe Rückendeckung bekommen und die Helden erhalten eine Chance, den Übeltäter zu schnappen und das blaue Buch zurückzuholen.

Mit diesem Plan und einigen neuen Flaschen Meskinnes in Bolgars Gepäck, macht sich die Gruppe auf, ein Nachtlager zu finden. Daraus wird beinahe nichts, denn das einzige Gasthaus von Uspiaunen ist beinahe so voll wie seine Besucher. Es ist nur noch ein Zimmer übrig. Beruhigt, dass sie zumindest nicht im Freien übernachten müssen, setzen sich alle und freuen sich auf einen ruhigen Abend ohne Überraschungen.

Leider leiden einige Mitglieder der Gruppe an Entspannungsphobie und es werden schnell wieder neue Pläne geschmiedet und Besucher ausgefragt. Während Lugwin neue, hauptsächlich betrunkene Freunde macht, hat Bolgar ein Auge auf zwei Magier am Nachbartisch geworfen. Diese scheinen seltsam bekannt. Tatsächlich scheint einer von ihnen der ungezogene Magiestudent zu sein, der in Neersand kurzzeitig Maja ersetzt hat. Seine Begleitung scheint niemand anderes als die Führung der Schule handeln soll.

Als diese sich für ein Getränk bedanken will, das Bolgar ihr gesandt hatte, scheint sie auch ihn zu erkennen, denn kurz darauf gestikuliert sie ihm, ihr zu folgen und verlässt das Gebäude. Kurzdarauf folgt ihr Bolgar und ihm, wie ein zu groß gewachsener Schatten, Innuendo, der sich bedeckt hält.

Doch Bolgar bleibt kaum Zeit die magiebegabte Mantelträgerin in Kenntnis zu setzen, die Nacht wird nämlich von Hufgetrappel durchbrochen. Die vier schwarzgewandeten Reiter die auftauchen sind definitiv nicht die Hinterstraßen-Jungs auf einer Tournee, sondern die Mittäter Anzaks.

Natürlich stürmt Innuendo sofort nach drinnen um seine Begleiter zu warnen, wird aber jäh unterbrochen, als Bolgar mit einer Frau mitten auf dem Tisch landet. Für ihn ist das sicher nicht das erste Mal, aber auch der Rest der Gruppe reagiert erstaunlich geistesgegenwärtig und ziehen die beiden auf eine Bank.

Es bleibt kaum Zeit sich von dem Schock zu erholen, als auch schon die vier Reiter eintreffen. Gekleidet wie die Cousins dritten Grades der Reiter der Apokalypse erregen sie natürlich eine Menge Aufmerksamkeit und schaffen es, den Schankraum nur durch ihre Präsenz, zum Schweigen zu bringen. Sich ihrer Wirkung wohl bewusst, setzen sie sofort den Wirt unter Druck ihnen ein Zimmer zu geben, der sichtlich verzweifelt wirkt. Dann verlassen sie den Schankraum auch schon wieder, wie ein Alptraum in einem Kinderzimmer.

Salwinja ist des Wirtes Rettung, in einem ruhigen Moment nimmt sie ihn zur Seite und gibt ihr Zimmer frei, so dass die Reiter zufriedengestellt sind. Schnell ist entschieden, dass wir die Rabauken noch am nächsten Tag ihrer gerechten Strafe zuführen werden. Um unserer, nicht sehr schlagkräftigen Truppe die Aufgabe zu erleichtern, heuert Salwinja einige Söldner an, die sich am Nachbartisch einen schönen Abend machen wollten. Für unsere Unterkunft ist letztlich auch gesorgt, als der äußerst dankbare Wirt sein eigenes Zimmer zur Verfügung stellt. Alle gehen früh zu Bett, morgen gibt es einiges zu tun.

Erstellt von Benjamin
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