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4.
Travia

Die Gefährten - Tag 8

Ich bin kein Mann der ein warmes und bequemes Nachtlager verabscheut, vor allem nicht, wenn es gratis ist. Aber dafür arbeiten? Meiner Meinung nach hätten wir die Kaleschka gerne so lassen können wie sie ist, aber meine Meinung fällt ja nicht sonderlich ins Gewicht.

Glücklicherweise verläuft die Nacht ruhig, ich brauche schließlich meine Ruhe, nur Bolgar und Kolja erzählen später sie hätten ein sterbendes Tier gehört, aber ich glaube ihnen nicht. Mit meiner überragenden Wahrnehmung wäre mir so etwas selbst im Schlaf nicht entgangen.

Unglücklicherweise herrscht am nächsten Morgen das mieseste Sauwetter. Ich habe eigentlich immer angenommen Festum hätte dabei das Monopol, aber wahrscheinlich haben sie angefangen wegen Überschuss zu exportieren.

Meine Laune sinkt auch deswegen in den Keller, weil es mir nicht möglich war in der Enge der Kaleschka mein Gehalt aufzubessern. Überall lauern listige Zwerge oder humorlose Rhondrageweihte. Nun hat meine Mutter aber niemanden erzogen der schnell aufgibt, deshalb versuche ich mich mit Leudara anzufreunden damit ihre Wachsamkeit nachlässt. Ich bin zwar nicht mit Erfolg gesegnet aber ich werde es weiter versuchen.

So geht die Zeit dahin, ohne dass wir viel anderes machen können als wandern, bis wir auf einmal eine Rauchsäule durch das dichte Schneetreiben erspähen. Rashka hätte sie sicher früher entdeckt aber leider ist sie durch das Wetter an den Boden gefesselt. Da fällt mir ein, ich muss sie noch fragen wie man an ein solch nützliches Gerät wie ihren Stab gelangt.

Während ich in Fantasien schwelge was mir damit alles gelänge kehrt Rashka von einem kurzen Erkundungsflug zurück und wir machen uns auf den Weg zum Ursprung der Rauchsäule, einer kleinen, unscheinbaren Hütte. Doch scheint mehr dahinterzustecken, denn unsere Augen fallen auf einen Zaun der so nicht hierher zu passen scheint. Wie es aussieht besteht er aus seltener, und damit teurer, Sumpfeiche und die Verarbeitung ist makellos. Die einzelnen Stützpfosten stehen immer im Abstand von exakt 1,753 Schritt und die Latten sind mit sehr widerstandsfähigen Knoten im bosparanischen Stil befestigt. Wahrlich eine Augenweide dieser Zaun. Wir ehren ihn indem wir das Zauntor ignorieren und stattdessen drübersteigen.

Die Hütte gehört einem alten, wahrscheinlich armen Pärchen dass sich nicht einmal Zähne leisten kann. Geistesabwesend wie immer werfen diese Pappnasen von Begleitern meinen Plan über den Haufen kostenlos zu übernachten. Umso mehr bin ich überrascht als mein Vorschlag Wachen aufzustellen dann doch angenommen wird. Eine gute Idee, wie sich herausstellt. Die Goblins, die vor einer Weile bereits eine Kuh gestohlen haben, sind zurück. Wir stellen ihnen schnell eine Falle und auch wenn Leudara den Plan über den Haufen wirft und sie erschreckt, so gelingt es dem geistesgegenwärtigen Kolja doch einen dieses Diebesgesindels zu fangen. Was dann folgt werde ich nie vergessen. Kolja zeigt sein Können als Verhörspezialist und entlockt dem Goblin alles was wir wissen wollen. Ich bin überaus beeindruckt, wäre ich an der Stelle des Goblins gewesen hätte ich sicher alles zugegeben.

Dank der Informationen die wir erhalten wissen wir nun, dass bei einer rivalisierenden Sippe, den Lugari-Tezi, anscheinend ungewöhnliche Goblins sind. Die Beschreibung passt ungefähr auf unsere Flüchtigen. Alle Vorsicht außer Acht lassend beschließen die anderen den Goblin freizulassen und sich mit ihm zu verbünden.

Früh am nächsten Morgen ziehen wir los, begleitet von den Goblins, doch unsere Wanderung wird jäh unterbrochen als eine gruppe Trolle unseren Weg blockiert. Wieder beweist Kolja sein Geschick im Umgang mit weniger intelligenten Kreaturen und wir dürfen passieren. Ich habe mich versteckt gehalten um sie notfalls zu überrraschen, aber Kolja informiert mich dass er eine Vereinbarung eingegangen ist. Er verspricht,den verschwundenen Troll Raugatsch zu finden und dafür erhalten wir freie Passage. Ich kann nicht sagen, dass ich da nicht froh drüber bin, beim Anblick dieser riesigen Gestalten wird mir etwas mulmig ums Herz.

Der Rest des Tages wird nur von einer kurzen Jagd unterbrochen bei der Bolgar und Kolja eine Wildsau erlegen. Diese soll später den befreundeten Goblins für ihre Sippe mitgegeben werden.

Trotz des anstrengenden Tages haben wir in der Nacht keine Ruhe, denn wir beobachten außergewöhnliches. Zwei Bären die sich bekämpfen! Nicht nur dass sie eigentlich Winterschlaf halten müssten, uns beschleicht auch das Gefühl, dass da noch mehr im Busch ist. Aber obwohl wir die die Kampfstelle gründlich untersuchen finden wir nicht den geringsten Hinweis, außer dass irgendeine Art von Magie geherrscht hat. Nur Bolgar fällt ein ungewöhnliches Sternbild auf, das durch seine Veränderung auf Krieg oder Kampf hinweisen kann. Außerdem erwähnen die Goblins, wie vorher die Trolle, dass das Land erwacht, bzw. aufsteht. Wieso nur scheinen alle darüber Bescheid zu wissen außer uns?

Am nächsten Tag erreichen wir das Tal in dem der Eingang zur Höhle der Lugari-Tezis liegen soll. Hier verlassen uns die feigen Goblins, ich habe es nicht anders erwartet. Nach kurzer Suche werden wir schließlich fündig, vor uns liegt ein leerer Gang, den wir natürlich sofort wagemutig betreten. Der Großteil der Kammern und Gänge die wie sehen scheint leer zu sein, bis wir in einer Kaverne in einiger Entfernung Geräusche vernehmen. Sofort machen wir uns auf sie zu untersuchen als sich das alte Sprichwort bewahrheitet, dass man bei Goblins auf alles gefasst sein muss und hinter uns mehrere bewaffnete Stammesmitglieder auftauchen. Sofort beginnen wir mit dem verzweifelten Versuch uns den Weg freizukämpfen, aber die Goblins sind zahlreich. Ich hoffe nur wir werden diese dumme Situation überleben, ich habe doch noch so viel vor.

Erstellt von Benjamin
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