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29.
Efferd

Die Verfolgung - Tag 3, Ankunft in Karkriven

Am nächsten Morgen stellten wir einige Überlegungen über den Reiseweg der Goblins an. Ihr Ziel schien die Rote Sichel zu sein, das Gebirge im Westen, wo die Goblinschamanin Mantka Riiba ihr Lehrlingsmädchen Jääni laut Olko sowieso hingeschickt hatte. Sollte es dort etwa eine Goblinsiedlung geben?

Schwieriger war die Frage, wie die Goblins es geschafft haben mochten, so schnell voran zu kommen. Zu Beginn ihrer Flucht hatten sie sich einen großen Vorsprung erarbeitet, den sich niemand von uns erklären konnte – abgesehen von Boromeo, der dazu gleich zwei Ideen hatte: Entweder, die beiden hatten Hilfe durch andere Goblinschamanen erhalten – sie konnten sie bereits während ihrer ersten Flucht getroffen haben –, oder sie hatten sich durch eine andere Sphäre bewegt. Diese Möglichkeit bereitete mir eine Gänsehaut. Dass es solche Pforten gab, vergaß selbst ich als Hexe allzu gerne.

Gegen Abend erreichten wir das Dorf Karkriven, eher ein Weiler mit einem Palisadenzaun. Darin befanden sich etwa zwei Dutzend Hütten und eine großen Scheune. Ein schmerbäuchiger Mann bat uns herein und brachte die beiden Geweihten umgehend in der Stube unter, während wir übrigen Decken erhielten und in der Scheune schlafen durften – sicherlich ohne Bettwanzen, wie Boromeo treffend bemerkte.

Tuminkas Ritual hatte nichts Neues ergeben; die Goblins befanden sich weiterhin in ungefähr nordwestlicher Richtung, der Abstand war sogar ein wenig gestiegen.

Das Gespräch kam auf eine nahe Straße, auf der wir wohl schneller wären – aber führte sie auch in die richtige Richtung?

Meine Stimmung hatte sich im Laufe der letzten, ereignislosen Tage nicht gerade gebessert, und fast bereute ich meinen Entschluss, zurückgekehrt zu sein. Warum das ausgerechnet Innuendo zu spüren bekam, der mir doch von allen hier der beste und treuste Freund ist, vermag ich selbst nicht zu sagen. Ich schalt ihn, er solle des Nachts seine Hände bei sich lassen – also von meinem Beutel. Wieso hatte ich nicht einfach gute Nacht gesagt? Er konnte ja auch nichts für unsere Lage. Eine halb scherzhafte Reiberei ergab sich, und Innuendo mutmaßte, mein Runar sei ein früherer Liebhaber, den ich in eine Kröte verwandelt hätte.

Ha, wenn das so wäre, dann hätte ich sicher mehr Kröten als nur diese!“

Just erinnerte ich ihn daran, dass er mir immer noch nicht die versprochene Papierkröte gefaltet hatte. Ich hoffe, er wird es noch nachholen, wenn die Zeit es zulässt. Es würde mich wirklich interessieren, ob das überhaupt möglich ist. Gesehen habe ich so ein Gebilde jedenfalls noch nie.

Die anderen überlegten nun, ob Innuendo im Falle eines Falles besser in eine Kröte oder eine Bettwanze zu verwandeln sei. Bolgar war für eine Ratte, mir hätte auch ein Rotkehlchen oder eine Kohlmeise gefallen. Innuendo hörte sich das nicht lange an und zog sich zurück in eine Ecke, um zu schlafen. Hatte ich ihn beleidigt, oder war er einfach nur müde? Schwer zu sagen. Jedenfalls hätte ich ihn wohl nicht so aufziehen sollen.

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